Westpreußische Dichter und Schriftsteller
Eine alphabetische Übersicht – Teil 1

In unserer Zeitung DER WESTPREUSSE erschien im Juni 1958, in der Nummer 17/18 zum Westpreußen-Bundestreffen in Bochum, eine zwölfseitige Zusammenstellung westpreußischer Dichter und Schriftsteller von E. Schmid.

Diese Zusammenstellung drucken wir  in Fortsetzungen ab, um an die Dichter und ihre Werke zu erinnern. Viele der genannten Personen sind heute nämlich nahezu vergessen und von vielen sind heute auch keine Bücher mehr im Handel. Wer die Werke lesen möchte, kann aber über Antiquariate danach suchen (im Internet z. B.: www.zvab.de oder www.amazon.de) oder in Bibliotheken danach fragen. Länger nicht ausgeliehene Bücher stehen dort oft doch noch im Magazin. Es gibt aber auch Spezialbibliotheken wie z. B. die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, wo Sie nachfragen können. Ihre Bibliothek vor Ort kann auch Fernleihen für Sie ausführen.

Da seit dem ersten Abdruck dieser Zusammenstellung fast 50 Jahre vergangen sind, war es jedoch notwendig, Änderungen bzw. Ergänzungen einzufügen. Nicht alle Fragen konnten wir klären.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ergänzungen haben, melden Sie sich bitte in der Redaktion.


Rudolf Baumgardt

Dr. jur. et rer. pol., geb. 9. 7. 1896 in Zoppot, gest. im Januar 1955 (1957?) in Würzburg, schrieb neben großen biographischen Werken Novellen, Lyrik und Bühnenstücke. Für uns Westpreußen von besonderem Interesse ist sein 1951 erschienener Roman “Die Rodendahls”, der das Schicksal einer Danziger Familie in der Zeit von 1886-1945 schildert.

Margarete Boie

geb. 22. 10. 1880 in Berlin, gest. 4. 2. 1946 in Lüneburg, entstammte einer Danziger Offiziers-Familie. Sie hat die Heimat ihrer Vorfahren immer wieder aufgesucht und ihr auch in ihren kulturgeschichtlichen Romanen und Erzählungen ein Denkmal gesetzt, so in “Hugo Conventz und seine Heimat. Ein Buch der Erinnerungen” (1942) und in “Die Tagfahrt der Preußen. Westpreußische Geschichte aus sieben Jahrhunderten” (1942).

Arthur Brausewetter

geb. 27. 3. 1864 in Stettin, gest. 20. (26.?) 12. 1946 in Heidelberg, war 40 Jahre lang Pfarrer an St. Marien in Danzig. Noch bis zum Herbst 1945 hat er in Danzig-Langfuhr als Seelsorger gewirkt. Als Schriftsteller wurde er durch seine zahlreichen, meist in Westpreußen/Pommern spielenden Romane weit über Danzigs Grenzen hinaus bekannt. Er schrieb u. a.: “Der Armenpastor” (1899), “Der Staatsanwalt” (1900), “Stirb und werde” (1912), “Wer die Heimat liebt wie Du” (60. Taus. 1916), “Die letzte Karte in der Hand” (1933) und “Der Ruf der Heimat” (1938).

Eva Caskel

(Pseudonym für Eva Kochanski), Romanschriftstellerin, geb. 2. 11. 1902 in Danzig, lebte in den 50er Jahren in Berlin. Neben anderen Romanen schrieb sie den teils in Frankreich, teils im Danziger Werder unter Mennoniten spielenden historischen Roman “Marguerite Valmore” (1948), der später unter dem Titel “Jenseits des Stromes” erneut veröffentlicht wurde. Den Hintergrund des in den zwanziger Jahren spielenden Romans “Katja und die Schlafenden” (1945) bildet ebenfalls die Danziger Niederung.

Martin Damß

geb. 25. 6. 1910 in Danzig, Lyriker, lebte nach 1945 zunächst in Schleswig-Holstein, dann in Nordrhein-Westfalen. Einige Jahre galt er als verschollen. Erst später wurde sein Tod bekannt. Er starb am 19. 10. 1962 in Bonn. 1935 erschien ein Teil seiner Lyrik in “Das junge Danzig”. 1939 veröffentlichte er den Gedichtband “An dem großen Strom”. Seine übrigen Gedichte sind verstreut in Zeitschriften und Zeitungen erschienen, auch vielfach im Rundfunk zu Gehör gebracht worden.

Joachim Delbrück

geb. 30. 3. 1886 in Tuchel, aufgewachsen in Danzig, lebte später in München, war dort bekannt mit Thomas Mann. Er schrieb Dramen, Romane, Erzählungen, Kritiken und historische Arbeiten. Einige seiner Werke sind der in Westpreußen spielende Roman “Über den Feldern” (1911), der Roman “Variete” (1917), der Chopin-Roman “Spiel in Moll” (1919) und die Erzählung “Der Untergang des Postdampfers” (1916). Delbrück starb am 1. 8. 1951 in München.

Walther Domansky

geb. 2. 12. 1860 in Danzig, gest. 8. 10. 1936 ebendort, war evangelischer Pfarrer in Westpreußen, musste aber krankheitshalber vorzeitig in den Ruhestand treten. Er war vorwiegend Erzähler und Lyriker und hat auch im Danziger Platt gedichtet. Sammlungen plattdeutscher Gedichte von ihm sind “Danziger Dittchen” (1903) und “Ein Bundchen Flundern” (1904). In Danzig und dem Weichsellande spielen die Erzählungen “Aus Danzigs Vorzeit” (1891), “Danziger Allerlei” (1903), Marienburger Geschichten” (1909) und viele andere.

Hellmut Draws-Tychsen

Prof. Dr. phil., Völkerkundler, geb. 8. 10. 1904 in Elbing, gest. 7. 1. 1973 in Gabbersee bei Wasserburg. Neben völkerkundlichen Arbeiten und Übersetzungen aus dem Hawaiischen, Samoanischen, Siamesischen und Tonganischen war er auf dem Gebiet der Lyrik, des Essays, Dramas und der Novelle tätig. Er veröffentlichte u. a. die Gedichtsammlung “Mein Westpreußenland” (1929), “Nordische Gedichte. Auslese eines Jahrzehntes” (1932), die Komödie “Die Dame mit den Silberspitzenfingern” und die Erzählungen “Westpreußische Originale. Eine schwippe Mandel heiterer heimatlicher Erlebnisse” (1936). Auch gab er eine Sammlung lettischer, estnischer und litauischer Märchen heraus. Von 1942 bis 1945 war er in KZ-Haft.

 

Anmerkung der Redaktion:
Von den meisten der genannten Autoren sind im deutschen Buchhandel aktuell keine Bücher lieferbar.
Eine Ausnahme ist Margarete Boie, die heute als Schriftstellerin der Insel Sylt gilt. Ihre Bücher “Dammbau”, “Moi-ken Peter Ohm”, “Schwestern” und “Der Sylter Hahn” sind im Steinkopfverlag erschienen. Sie kosten 10,90 Euro (“Dammbau”) bzw. 17,90 Euro (“Moiken Peter Ohm”, “Schwestern” und “Der Sylter Hahn” ).
Im Profil-Verlag ist das Buch “Margarete Boie. Die Dichterin der Insel Sylt” erschienen. Es hat über 400 Seiten
und kostet 60 Euro.

Bei Interesse können Sie die genannten Bücher nicht nur über jede Buchhandlung in Ihrer Nähe beziehen, auch  der Buchversand der Landsmannschaft Westpreußen kann Ihnen die Bücher gern besorgen: Zu den genannten Preisen kommen dann die Kosten für Porto und Verpackung hinzu.

 

Gebet

Von Martin Damß

So ich, o Herr, denn muß zugrunde gehen,
zerbrochen, krank, ein Spiel und Spott der Welt,
Laß mich noch einmal meine Heimat sehen,
Eh´ mir der Hammer aus den Händen fällt.

Laß mich das Land, den hohen Himmel schauen,
Der nirgends sonst so hell und heilig ist.
Zeig mir den Strom, die gold´nen Weichselauen,
Wo ich gelebt, gelacht, geweint, geküßt.

Das schmale Haus, darin ich einst geboren,
Und klein und blaß und Kind gewesen bin.
Führ mich im Traum zu den versunk´nen Toren
Und zu den Märchen meiner Jugend hin.


Die Brunnen laß, die blaue Brandung rauschen,
Die grünen Linden und das Mühlenrad.
Laß mich im Korn dem Lied der Lerchen lauschen,
Den dunklen Glocken über Dorf und Stadt.

Gib einen Tag, ein Herz nach meinem Herzen,
Und eine Handvoll blanker Sterne dann,
Und zünde nachts an ihrem Licht wie Kerzen
Die alten Türme überm Hafen an.

Vergeß’nen Freunden will ich noch begegnen
Dort auf dem Hügel, wo die Kreuze sind.
Und Faust und Pflug und Netz und Wiege segnen
Und jeden Halm und jedes Gras im Wind.

Und niederknien und aus den Händen schlürfen
Den Tau der Welt. Und danken dem Geschick,
Daß ich hier einmal habe leben dürfen,
Daß ich den Weg nach Hause fand zurück.

Dann sende mir, wie einer morschen Erle
Am See den Blitz. Grab mich im Sande ein.
Laß meine letzte Träne eine Perle
Am Mantelsaum der lieben Heimat sein
.

 

De junge Kuulbarsch

Von Walter Domansky

Deep en de Mottlau opp de Grund,
Wo all’de Feschkes speele,
Dor schwemmt een Kuulbarsch, fett on rund,
Doch schient em wat to fehle.

Sien Oellre kome, na on de
Fang’n oan, emm uttofroage,
He sächt, emm deiht de Buck so weh
Oh bliwwt dorbi, do kloage.

Na ob he wat gegete hadd’
Weil Moder denn nu weete –
Jo ‘n Heer warf ut sien Muul dor wat,
‘t war bruun, dat hadd he frete.

Oll Kuulbarsch lacht on schempt opp enn:
“Wat best du förn Labommel!
Mottst du denn gor so happig senn
Uck opp Zigorestommel?”

De jung Kuulbarsch krömmt sich ganz rund:
“Wie kenn eck dat denn weete?
Nee, met de Menschheet es´t to bunt,
Wat de uck allens frete!”

 

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