Westpreußische Dichter und Schriftsteller
Eine alphabetische Übersicht – Teil 3

In unserer Zeitung DER WESTPREUSSE erschien im Juni 1958, in der Nummer 17/18 zum Westpreußen-Bundestreffen in Bochum, eine zwölfseitige Zusammenstellung westpreußischer Dichter und Schriftsteller von E. Schmid.

Diese Zusammenstellung drucken wir  in Fortsetzungen ab, um an die Dichter und ihre Werke zu erinnern. Viele der genannten Personen sind heute nämlich nahezu vergessen und von vielen sind heute auch keine Bücher mehr im Handel. Wer die Werke lesen möchte, kann aber über Antiquariate danach suchen (im Internet z. B.: www.zvab.de oder www.amazon.de) oder in Bibliotheken danach fragen. Länger nicht ausgeliehene Bücher stehen dort oft doch noch im Magazin. Es gibt aber auch Spezialbibliotheken wie z. B. die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, wo Sie nachfragen können. Ihre Bibliothek vor Ort kann auch Fernleihen für Sie ausführen.

Da seit dem ersten Abdruck dieser Zusammenstellung fast 50 Jahre vergangen sind, war es jedoch notwendig, Änderungen bzw. Ergänzungen einzufügen. Nicht alle Fragen konnten wir klären.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ergänzungen haben, melden Sie sich bitte in der Redaktion.


Wolfgang Federau

geb. 8.3.1894 in Danzig, gest. 18.5.1950 in Lübeck, war nach Jahren als Hauslehrer in Estland und Zivilgefangenschaft während des Ersten Weltkrieges in Archangelsk bis 1945 in Danzig als Verwaltungsbeamter bei der Polizei tätig. Er schrieb Novellen, Erzählungen, Romane, Gedichte, Satiren, Schauspiele, Hörspiele und auch Jugendbücher. 1938 erschienen Erzählungen aus Danzigs Vergangenheit unter dem Titel “Der ungerechte Bürgermeister”, 1940 die Novelle “Geliebte Kreatur”, 1944 das Lustspiel “Die fixe Idee” und vieles andere. Sein 1949 erschienenes Buch “Versunkene Gärten” enthält seine Jugenderinnerungen.

Paul Felske

geb. 28.1.1838 (oder am 8.1.?) in Hohenkirch, Kr. Briesen, gest. 16.12.1914 (oder am 12.1.?) in Marienburg, war Lehrer und Heimatdichter. Er ist der Verfasser des Westpreußenliedes (1901). Die erste Veröffentlichung mit der Melodie von Hugo Hartmann wurde 1903 beim Marienburger Verlag Aßmus herausgegeben.

Ottfried Graf Finckenstein

Dr. rer. pol., geb. 18.4.1901 auf der Ordensburg Schönberg bei Marienwerder, nach längeren Berufsreisen im Ausland bei Deutsch-Eylau ansässig, lebte nach 1945 in Lübeck, in Chile und  in Bonn, später in Kanada. Er starb am 23.11.1987 in Ottawa. 1938 erhielt er den Raabe-Rreis und den Dichterpreis der Stadt Braunschweig, 1942 den Herder-Preis. Außer den Romanen “Die Mutter” (1938), “Fünfkirchen” (1936) und “Schwanengesang” (1950) veröffentlichte er die Gedichtsammlung “Von den Quellen des Lebens” (1938), die Novelle “Der Kranichschrei” (1937), die Erzählungen “Das harte Frühjahr” (1937) und andere Novellen und Erzählungen sowie auch Hörspiele. Der Roman “Die Mutter” ist ins Dänische, Finnische und Schwedische übersetzt worden. Ottfried Graf Finckenstein war Mitglied im Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen und redigierte viele Jahre unsere Zeitung DER WESTPREUSSE.

Ernst Frieböse

geb. 2.1.1907 in Brodsack, Kr. Gr.-Werder, war Dramaturgie- und Regieassistent am Leipziger und später am Danziger Theater. Nach Kriegsausbruch wurde er Leiter der literarischen Abteilung des Danziger Hörfunks, für den er auch Hörspiele schrieb. 1942 wurde er zum Wehrdienst einberufen. Seit März 1945 ist er vermisst. In “Um deiner Heimat willen” (1938) ist ein Teil seiner Lyrik enthalten. Humorvolle Dichtungen in der Mundart seiner Werderheimat sind: “Foorts tom Bejuche” (1936), “Pust di man nich opp” (1939) und “Zookerschnut” (1937). Ferner erschien von ihm das Prosawerk “An der Mottlau steht das alte Krantor” (1941).

Marie Gerbrandt

geb. 3.2.1861 in Kl. Falkenau bei Mewe, gest. 1939 in Berlin, war Lehrerin und  Romanschriftstellerin. Einige ihrer Romane sind “In engen Schranken” (1894), “Der Lieblingssohn” (1909), “In der Strömung” (1913) und “Familie Wesselingk” (1920). Auch veröffentlichte sie Jugendschriften. Seit 1905 lebte sie in Kiel, wo sie die Kinderbeilage der “Kieler Neuesten Nachrichten” redigierte, 1908 zog sie nach Berlin, wo sie mit namhaften Schriftstellern verkehrte.

Robert Giseke

geb. 1827 in Marienburg, gest. 1890, war zu seiner Zeit sehr bekannt und geachtet. Er gab der damaligen Romanliteratur eine neue Richtung, insbesondere durch seinen Roman “Moderne Titanen” (1850), der die Probleme der damaligen Zeit behandelt. Auf dramatischem Gebiet schrieb er unter anderem “Dramatische Bilder aus deutscher Geschichte” (1865).

Elisabeth Gnade

geb. 17.8.1863 auf Summin bei Pr. Stargard, gest. 6.6.1936 in Kassel, schildert in ihren Romanen und Erzählungen vielfach das westpreußische Landleben, so in den Romanen “Sarkoschin” (1899) und “Docendo discimus” (1902). Ihre “Kleinstädtischen Geschichten” (1897-1899) machten sie zu einer der bedeutendsten deutschen Erzählerinnen ihrer Zeit. Auch als Lyrikerin ist sie hervorgetreten.

Bogumil Goltz

geb. 20.3.1801 im damals preußischen Warschau, wo sein Vater preußischer  Staatsgerichtsdirektor war, gest. 12.11.1870 in Thorn. Seine Kindheit verlebte er in Königsberg, Kl. Tromnau, Marienwerder und Ciechorin bei Thorn. Nach beendetem Studium wurde er Landwirt. Von 1847 an lebte er als freier Schriftsteller in Thorn, von wo aus er Reisen durch Deutschland, Polen, Frankreich, England, Italien und Ägypten unternahm. Auch hielt er ab und zu in größeren Städten Deutschlands und Österreichs Vorträge. In seinen Werken hat er sich mit den verschiedensten Themen befasst, mit praktischer Lebensphilosophie, schöngeistiger Wissenschaftlichkeit und vielen anderen. Seine Kindheit und Jugend schildert er in den Büchern “Das Buch der Kindheit” (1847) und “Jugendleben” (1852). Seine minutiöse Art der Darstellung hat viele Nachahmer gefunden.

 

Der Wolke gleich

Von Wolfgang Federau

Ich möchte wohl wie eine Wolke leben!
Ich möchte über allem Niedrigen und Kleinen,
dem Staub und Schmutz der Erde, durch den reinen
Äther als Spielgesell des Windes schweben.

Ich möchte auf des Sturmes Fittich reiten
und purpurn in der Abendsonne brennen,
nicht Ziel noch Herkunft meiner Reise kennen –
nur preisgegeben den Unendlichkeiten.

Ich möchte’ aus eig’ner Fülle strömend spenden,
der Wolke gleich, und die da dürsten, tränken.
Ich möchte immer wieder selig schenken,
um so im Geben froh mich zu verschwenden.

Und so wie eine Wolke möcht’ ich sterben,
leidlos und schwerelos ins Nichts verfließen,
noch einmal Erde, All und Sonne grüßen
und noch im Tod den Himmel schöner färben.

 

Heimat

Von Bogumil Goltz

Die Heimat gehört zu unserm Körper, sie ist unser ätherischer Leib. Nur die Heimat kann ein Familienleben erzeugen, kann Sitten und sittliche Charaktere, kann Sinn und Verständnis für die Geschichte bilden. Ohne Heimat sind wir einer Felsenpflanze gleich, die ihre Nahrung allein aus den Lüften saugen muss. Wer uns die Heimat nimmt, schneidet uns die Gegenwart von der Vergangenheit ab, nimmt unserem Sinnen die gewohnten Anknüpfungs- und Anhaltspunkte, dem Körper den Boden unter den Füßen.

 

Aus “Blonde Schwester Masurens”

Von Ottfried Graf Finckenstein

Deutsch-Eylau lag bereits hinter der großen Fläche des Geserich-Sees, und dort lebte man etwas anders. Wenigstens meinten die Westpreußen, sie seien weltoffener, leichter, wendiger als ihre östlichen Brüder. Ich glaube, sie hatten recht, denn bisweilen ist solch ein See eine Wetterscheide: Im Osten Lehm und Regen, im Westen Sand und Dürre, da nützt kein Fluchen und kein Beten.

Das Oberland liegt auf der Lehmseite, gleich hinter dem großen Wald, der sich in nordsüdlicher Richtung fast die ganze Westgrenze von Ostpreußen lang zieht. Es ist ein reiches Land, von den Fehlstellen abgesehen, die es überall gibt. Und es ist ein lustiges Land, mit steilen Hügeln, blanken Seen und einer bunten, mannigfaltigen Flora. Eine lächelnde Landschaft, die blonde Schwester Masurens, aber nicht minder schön. Es ist leicht zu verstehen, dass die Herren aus Mitteldeutschland, die mit dem Orden nach dem Osten gekommen waren, sich von diesem Land heimatlich angesprochen fühlten und daher den Städten, die sie gründeten, Namen aus ihrer Heimat gaben (Saalfeld, Osterode).

Sie sind einander sehr ähnlich, diese Städte, eben Perlchen, langsam gewachsen und von gleichem natürlichem Schmelz. Wenn ich eine beschreibe, denke ich auch an die anderen, und will nicht behaupten, dass ich eine bestimmte meine oder dass ich von der anderen nicht etwas geborgt hätte. Deshalb ist es vergeblich, meine Perle auf der Karte zu suchen. Alle sind in meiner Erinnerung zu einem gemeinsamen Zauber verwoben.

Meine Stadt hat natürlich eine große Ordenskirche und einen, im Verhältnis zu ihrem sonstigen Umfang, noch größeren Marktplatz. Die Kirche ist aus rotem Backstein, sie hat ein steiles, sehr hohes Dach. Auch der Turm hat ein Giebeldach, und abends, wenn die Sonne darauf ihre letzten, rötlichen Strahlen wirft, sieht er aus wie eine Frau, die ein buntes Kopftuch über den Scheitel gelegt hat.

Von dort oben kann man hinübersehen zu den anderen Städten, die natürlich auch solch eine Kirche haben. Der See, der die Stadt wie ein Gürtel umsäumt, denn er bot ja zur Zeit der Gründung den besten Schutz, ist auch keine Absonderlichkeit. Alle diese Städte tragen solch einen Gürtel, der abends, wenn die Nebel aufsteigen, zu einem breiten Schleier wird.

 

Hier braust das Leben seine größte Sinfonie

Von Ernst Frieböse

Hier braust das Leben seine größte Sinfonie,
Am Meer, wo wilde Wogen ihre schaumgeborenen Rhythmen dröhnen.
Hier rauscht die Sehnsucht ihre ruhlos aufgewühlte Melodie
Und überstürzt sich donnernd in gepeitschtem Stöhnen.

Durch alle Wälder irrt jetzt fahles Sterben,
Doch hier bäumt brüllend sich ein starkes Leben auf.
Das Meer weiß nichts von herbstlichem Verfärben,
Wie ew’ger Lenz jauchzt es sein Donnerlied zu Gott hinauf.

Nur manchmal, wenn der Winter allzu raue Stürme schickt,
Erstarrt auch diese Brandung jäh zu Eis.
Dann gibt es keine Melodie mehr, die mein Ohr beglückt,
Und alles schweigt in Träumen, um die niemand weiß.

 

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