Westpreußische Dichter und Schriftsteller
Eine alphabetische Übersicht – Teil 5

In unserer Zeitung DER WESTPREUSSE erschien im Juni 1958, in der Nummer 17/18 zum Westpreußen-Bundestreffen in Bochum, eine zwölfseitige Zusammenstellung westpreußischer Dichter und Schriftsteller von E. Schmid.

Diese Zusammenstellung drucken wir  in Fortsetzungen ab, um an die Dichter und ihre Werke zu erinnern. Viele der genannten Personen sind heute nämlich nahezu vergessen und von vielen sind heute auch keine Bücher mehr im Handel. Wer die Werke lesen möchte, kann aber über Antiquariate danach suchen (im Internet z. B.: www.zvab.de oder www.amazon.de) oder in Bibliotheken danach fragen. Länger nicht ausgeliehene Bücher stehen dort oft doch noch im Magazin. Es gibt aber auch Spezialbibliotheken wie z. B. die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, wo Sie nachfragen können. Ihre Bibliothek vor Ort kann auch Fernleihen für Sie ausführen.

Da seit dem ersten Abdruck dieser Zusammenstellung fast 50 Jahre vergangen sind, war es jedoch notwendig, Änderungen bzw. Ergänzungen einzufügen. Nicht alle Fragen konnten wir klären.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ergänzungen haben, melden Sie sich bitte in der Redaktion.

Friedrich Wilhelm Krampitz

Lyriker, geb. 1790 in Danzig, gest. 1854, seit seinem 11. Lebensjahre blind, erfreute sich zu seiner Zeit große Beliebtheit. Auch Goethe und Eichendorff haben seine Gedichte gelobt. Viele seiner Lieder sind Danzig, Marienburg und der Ostsee gewidmet, besonders bekannt aber wurde er durch seine “Kriegsgesänge” (3. Aufl. 1829) und andere patriotische Lieder.

Gerda von Kries

geb. 30. 8. 1901 in Freiburg/Br., entstammt einer alten westpreußischen Familie. Nach ihrer Heirat 1944 lebte sie bis zur Flucht in Westpreußen, danach wieder in Freiburg. 1937 erhielt sie den Hansjakob-Preis. Sie schrieb die Romane “Die Kronacker” (1942) und “Verena Enderlin” (1949) sowie eine Reihe von Erzählungen, Kinder- und Jugendbüchern.

Gustav Kross

geb. 30. 5. 1864 in Danzig, lebte nach 1945 ein paar Jahre in Holstein, später in Offenburg i. B. Ursprünglich hatte er das Gärtnerhandwerk erlernt, ging dann als Arbeiter in die Danziger Gewehrfabrik und Artilleriewerkstatt, darauf als Dreher zur damals Kaiserlichen Werft. 1911 erschien sein “Danziger Uhlespegel”, eine Sammlung plattdeutscher Spaß- und Spottgedichte. Gleichzeitig veröffentlichte er seine lyrischen und epischen Gedichte unter dem Titel “Am Hünengrabe”. Sein historisches Drama “Martin Kogge” wurde 1912 am Danziger Stadttheater aufgeführt. Das ebenfalls historische Drama “Sünde am Volk” (1920) wurde später zu einem Hörspiel für den Landessender Danzig  umgearbeitet unter dem Titel “Der Schicksalstag der Marienburg”. Nach 1945, also bereits in hohem Alter, schrieb er den Schwank “O diese Jugend” und das Hörspiel “Das Geschick geht eigene Wege”, sowie eine Reihe von Gedichten.

Hans Kyser

geb. 22. 7. 1882 in Graudenz, gest. 24. 10. 1940 in Berlin, war während des Ersten Weltkrieges Berichterstatter. Als Pressechef leitete er die Abstimmung in seiner Heimat. Kurz darauf wurde er als Direktor des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller nach Berlin berufen. Später übernahm er dort die Direktion des S.-Fischer-Verlages. Er ist vorwiegend Dramatiker und Erzähler. Neben den Romanen “Der Blumendieb” (1909) und “Das Gastmahl des Domitian” (1929) schuf er eine Reihe von Schauspielen: “Charlotte Stieglitz” (1915), “Columbus” (1929), “Rembrandt vor Gericht” (1932) u. a., ferner auch verschiedene Hörspiele.

Carl Lange

geb. 27. 1. 1885 in Berlin, Oberstleutnant a. D., lebte lange Jahre in Danzig-Oliva, nach 1945 in Wernigerode, später in Bremen, wo er am 30. 5. 1959 starb. Er war Lyriker und Essayist. 1950 wurde er in Wernigerode wegen “Gefährdung des Friedens der DDR” für ein halbes Jahr verhaftet. Hier, in sowjetzonaler Kerkerhaft, entstanden seine “Gedanken und Gedichte aus dem Kerker”. Weitere Lyriksammlungen sind unter anderem “Herz, sei ruhig” (1949) und “Ruf aus der Stille” (1933). Ferner veröffentlichte er zwei Bücher  über Mackensen: “Generalfeldmarschall v. Mackensen” (1935) und “Mackensen, der Marschall Vorwärts des Weltkrieges” (1937). Lange ist der Begründer und Herausgeber der von 1919-1939 erschienenen “Ostdeutschen Monatshefte für Kunst- und Geistesleben”, die seit Oktober 1955 wieder erschienen, des “Preußenkalenders” und des Kalenders “Der Danziger Bote”. Auch ist er der Mitbegründer der Dichtervereinigung “Die Kogge”. Viele seiner Gedichte sind vertont worden. Carl Lange erhielt 1959 den in dem Jahr erstmalig verliehenen Westpreußischen Kulturpreis (Urkunde und Ehrengabe konnten ihm jedoch nicht mehr persönlich überreicht werden).

Walter Leistikow

geb. 25. 10. 1865 in Bromberg, gest. 24. 7. 1908 in Berlin, ist als Maler – insbesondere der märkischen Seen- und Kiefernlandschaft – bekannt. Daneben betätigte er sich jedoch auch literarisch, schrieb Kunstberichte und veröffentlichte 1896 den in seiner Vaterstadt spielenden Roman “Auf der Schwelle”.

Hermann Löns

geb. 29. 8. 1866 in Kulm, aufgewachsen in Deutsch-Krone, lebte später zunächst als Schriftleiter, dann als freier Schriftsteller in Hannover. Er fiel am 26. 9. 1914 vor Reims. Sein Grab befindet sich in der Lüneburger Heide in der Nähe von Tietlingen. Neben Natur- und Jagdschilderungen und Tierbüchern veröffentlichte er den Bauernroman “Der letzte Hansbur” (1909), den historischen Roman “Der Wehrwolf” (1910), den psychologischen Roman “Das zweite Gesicht” (1911) und eine Sammlung seiner volksliedhaften Lyrik unter dem Titel “Der kleine Rosengarten” (1911). Durch alle diese Werke ist er zum Dichter der Lüneburger Heide geworden. Doch gibt es auch Gedichte aus seiner Jugendzeit, die von seiner Sehnsucht nach seiner westpreußischen Heimat zeugen.

Oskar Loerke

geb. 13. 3. 1884 in Jungen bei Schwetz, gest. 24. 2. 1941 in Berlin. Nach Beendigung der Schulzeit in Graudenz übersiedelte er zum Studieren nach Berlin, wo er 1917 das Amt des Lektors im S.-Fischer-Verlag übernahm, das er bis zu seinem Tode ausübte. Von 1928-1933 war er Sekretär der Sektion für Dichtkunst in der Preußischen Akademie der Künste. Neben z. B. in Westpreußen spielenden Romanen und Erzählungen, wie dem Roman “Der Turmbau” (1910), veröffentlichte er sieben Gedichtbücher. Unter den westpreußischen Lyrikern ist er wohl der bedeutendste. Seine gleichnishafte, schwer zugängliche Lyrik ist an Bedeutung vielfach derjenigen Georges und Rilkes gleichgestellt worden.

Anmerkung der Redaktion:

Von den meisten der genannten Autoren sind im deutschen Buchhandel aktuell keine Bücher lieferbar. Eine Ausnahme bilden Hermann Löns und Oskar Loerke.

Von Oskar Loerke sind vier Bücher lieferbar, die Aufsätze und Tagebücher enthalten, jedoch nicht Romane oder Erzählungen. Oskar Loerke:  Der Bücherkarren. Besprechungen im Berliner Börsen-Courier 1920-1928. (Wallstein) 451 S., Leinen, ISBN 3-89244-144-8, 21 Euro. Literarische Aufsätze aus der “Neuen Rundschau” 1909-1941. (Wallstein) 478 S., Leinen, ISBN 3-89244-145-6, 21 Euro. Reisetagebücher. (Wallstein) 264 S., englisch broschiert, ISBN 3-89244-143-X, 12 Euro. Was sich nicht ändert. (Deutsche Schillerges.) 105 S., Pappband, ISBN 3-933679-15-X, 15,35 Euro.

Von Hermann Löns ist eine Vielzahl an Büchern lieferbar, die wir aus Platzgründen hier nicht alle nennen können (fragen Sie Ihren Buchhändler oder sehen Sie im Internet nach unter www.buchhandel.de), als Beispiele seien genannt:

Hermann Löns: Grün ist die Heide. Tier- und Jagdgeschichten. (Hamburger Lesehefte) 72 S., kartoniert, ISBN 3-87291-122-8, 1,30 Euro. Hasendämmerung und andere lustige Geschichten. Haye Graf liest Hermann Löns. (Plaggenhauser Verlag) Audio-CD, ISBN 3-937949-01-1, 9,90 Euro. Land und Leute. Über Natur- und Heimatschutz. (Zeitenwende) ca. 150 S., Paperback, ISBN 3-934291-07-4, 12 Euro. Der letzte Hansbur. Ein Bauernroman aus der Lüneburger Heide. (Sponholtz) Leinen, ISBN 3-87766-338-9, 14,90 Euro. Lüttjemann und Püttjerinchen. (Mellinger, J Ch) 16 Seiten, kartoniert, ISBN 3-88069-285-8, 5,20 Euro. Lüttjemann und Püttjerinchen. Ein Märchen. (Heyn) 30 S., Pappband, ISBN 3-85366-232-3, 10,80 Euro. Mümmelmann. (Aufbau-Verlag) 24 S., Halbleinen, ISBN 3-351-04051-2, 15 Euro. Der Wehrwolf. Eine Bauernchronik. (Sponholtz) Leinen, ISBN 3-87766-339-7, 14,90 Euro. Der Wicht vom Heidegrab. Ein Weihnachtsmärchen. (Euroroll) 16 Seiten, kartoniert, ISBN 3-9803561-5-9, 6 Euro.

Manche Bücher sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Die oben genannten Bücher können Sie auch über den Buchversand der Landsmannschaft Westpreußen beziehen (aber nicht die Hamburger Lesehefte), zu den genannten Preisen kommen dann die Kosten für Porto und Verpackung hinzu.

Eh’ du’s gedacht

Von Carl Lange

Und ist der Himmel grau in grau,
Es wartet schon ein tiefes Blau
In Fernen.

Der Regen tropft, der Regen fällt,
Bald leuchtets unterm Sternenzelt
Von Sternen.

Nimm Schmerz und Kummer ruhig hin
Und lass nicht trüben deinen Sinn,
Dein Denken.

Eh du’s gedacht, ein Glück erwacht,
Und wird dich, segnend über Nacht,
So reich beschenken...

Heimverlangen

Von Gustav Kross

Wenn vor dem Aug’ der Heimat Bilder ziehen,
Dann fühle ich mich einsam und verlassen.
Wie traulich waren doch die alten Gassen,
Wie hoch und hehr der Turm von Sankt Marien!
Vorbei! Vorbei! Die Heimat liegt zerschlagen;
Ein Fremdvolk nistet, wo wir einst gebaut.
Obwohl die Träne auch die Wange taut,
Löscht sie doch nicht den Schmerz,

hemmt nicht die Plagen.
Doch würde einmal eine Stimme schallen
Und riefe: Komm, komm du zur Heimat wieder,
Dann könnten sich Gewitterwolken ballen
Der Regen stürzen selbst in Strömen nieder,
Sie würden tönen mir wie Liebeslieder.
Wie Orgeltöne, die im Dome hallen.

Radaunensee in Klotzow

Von Hermann Löns

Es taucht aus rabenschwarzer stiller Flut
Die dottergelbe, stolze Wasserrose;
Des Fliegenpilzes feuerroter Hut,
Der leuchtet grell aus sammetgrünem Moose.

Die düstern Kiefern stehen stramm und steif,
Zum Wasser bücken sich die schlanken Birken;
Durchs Unterholz zieht schwer ein Nebelstreif’
Und lässt die weißen Birken zaubrisch wirken.

In wolkenloser, dunkelblauer Höh’
Kommt müden Flugs ein Reiher hergezogen –
Für einen Abend am Radaunensee
Gäb’ ich den Rhein mit seinen goldnen Wogen.

Das Segelschiff des Knaben

Von Oskar Loerke

Es stand im elterlichen Birkenschranke
Hinter Kram und Glas,
Aber seine Planke
War vom Räubermeere nass.

Durch Bauernmohn und Balsaminen
Glückselig schwebend, schnitt sein Kiel,
Ihm nachzustaunen, war im Knabenspiel
Dein erstes ernstes Dienen.

Und saß dein Kinderschopf gefangen
In Staub- und Schulgeruch –
Schon wieder: Die Matrosen sangen
Durch das Vokabelbuch.

Und einmal waren alle tot.
So kam das Schiff gezogen,
Als um dein ländlich frühes Abendbrot
Septemberwespen flogen.

Es fuhr, wo es nicht mehr den Wal gelüstet,
Zu schwimmen, aber da bliebst du bei ihm,
Die Segel brausten, in den Wind gebrüstet,
Wie Haufen weißer Cherubim.

Noch fliegt die Wespe. Noch bist du bereit,
Den alten Segler heimzusteuern
In dichte wilde Ewigkeit:
Du hörst dorther ganz fern Salute feuern.

 (Aus: “Der Silberdistelwald”)

 

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