Westpreußische Dichter und Schriftsteller
Eine alphabetische Übersicht – Teil 6

In unserer Zeitung DER WESTPREUSSE erschien im Juni 1958, in der Nummer 17/18 zum Westpreußen-Bundestreffen in Bochum, eine zwölfseitige Zusammenstellung westpreußischer Dichter und Schriftsteller von E. Schmid.

Diese Zusammenstellung drucken wir  in Fortsetzungen ab, um an die Dichter und ihre Werke zu erinnern. Viele der genannten Personen sind heute nämlich nahezu vergessen und von vielen sind heute auch keine Bücher mehr im Handel. Wer die Werke lesen möchte, kann aber über Antiquariate danach suchen (im Internet z. B.: www.zvab.de oder www.amazon.de) oder in Bibliotheken danach fragen. Länger nicht ausgeliehene Bücher stehen dort oft doch noch im Magazin. Es gibt aber auch Spezialbibliotheken wie z. B. die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, wo Sie nachfragen können. Ihre Bibliothek vor Ort kann auch Fernleihen für Sie ausführen.

Da seit dem ersten Abdruck dieser Zusammenstellung fast 50 Jahre vergangen sind, war es jedoch notwendig, Änderungen bzw. Ergänzungen einzufügen. Nicht alle Fragen konnten wir klären.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ergänzungen haben, melden Sie sich bitte in der Redaktion.

Marianne Mewis

geb. 6. 12. 1866 in Arnsfelde (bei Dt. Krone), lebte später in Dresden, zuletzt als Rentnerin in Schwerin in Mecklenburg. Sie hat als erste Dichterin die Tucheler Heide geschildert. Aber auch Italien und Lothringen bilden den Hintergrund ihrer Romane, Erzählungen und Märchen. Ihr Ostmarkenroman “Der große Pan” (1908) ist kulturgeschichtlich von Bedeutung. Weitere Werke sind die Novellensammlung “Der Sonntagsmann” (1903), die Romane “Die Grenzwarte” (1905), "Der Umweg zum Glück" (1920) u. a. In Westpreußen spielt u. a. “Madonna im Schnee”.

Hans Bernhard Meyer

Dr. phil., geb. 20. 8. 1898 in Danzig, gest. 21. 4. 1982 in Reinbek bei Hamburg, bis 1945 Museumsdirektor in Graudenz, war von 1955-1962 Hauptschriftleiter [von DER WESTPREUSSE]. Neben volkskundlichen und kunstgeschichtlichen Arbeiten veröffentlichte er die beiden Danzig-Bücher “Schaffende Hand, kämpfendes Land”  (1937) und “Möwen umkreisen das Krantor” (1954), die Erzählungen und Gedichte enthalten, und gab 1956 das Erinnerungsbuch “Danzig in 144 Bildern” heraus.

Der Rundfunk brachte öfter Hörfolgen von ihm. Ein im Manuskript fertig vorliegender historischer Danzig-Roman ist 1945 vernichtet worden, von seinen nach Hunderten zählenden Aphorismen sind viele in den Westpreußen-Jahrbüchern veröffentlicht worden, zu denen er auch mit ausführlichen Artikeln über die Heimat beigetragen hat. Außerdem war er zeitweise Bundeskulturreferent der Landsmannschaft Westpreußen, die ihm 1971 die Westpreußen-Medaille verlieh.

Johanna Niemann

geb. 18. 4. 1844 in Danzig-Langfuhr, gest. 1. 4. 1917 in Danzig-Oliva, war Lehrerin und zu ihrer Zeit eine der Hauptvertreterinnen des Gesellschaftsromans. Oft spielt die Stadt Danzig in ihren Romanen eine Rolle: “Die beiden Republiken” (1887) schildern das Danzig der Franzosenzeit, der Roman “Gestern und heute” (1891) hat die Überschwemmungen im unteren Weichselgebiet zum Thema.

Waldemar Oehlke

Prof. Dr. phil., geb. 29. 4. 1879 in Krückwald, gest. 14. 7. 1949 in Göttingen, veröffentliche neben literarhistorischen Werken den kulturhistorischen Danziger Familien-Roman “Die Burgs und die Straß” (1938) und die Erzählungen “Die Speicherinsel” (1939) und “Gold der Ostsee” (1940).

Willibald Omansen

geb. 24. 3. 1886 in Danzig, Kunst- und Theaterkritiker der “Danziger Volksstimme”, lebte in den 1950er Jahren in Berlin-Wannsee. Er schrieb Novellen, Essays und Gedichte unter anderem “Die Windharfe” (1920), “Danzig, Antlitz einer alten Stadt” (1924), “Die Fackelträger” (1929) und “Brennende Vergangenheit” (1948).

Bruno Pompecki

geb. 7. 4. 1880 in Schwetz a. d. Weichsel, Oberlehrer (in Neustadt, Graudenz und Dt. Eylau), lebte  später in Oliva, wo er am 4. 4. 1922 gestorben ist. Neben anderen literaturhistorischen Veröffentlichungen gab er 1915 seine “Literaturgeschichte der Provinz Westpreußen” heraus. Ferner erschienen von ihm die Gedichtbücher “Weichselrauschen” (1905), “Der stille Weg” (1911), “Heilige Stunden” (1915) und die Sammlung von Lyrik und Prosa “Verklungene Tage” (1913). Er stellte aber z. B. auch die “Marienburg in der deutschen Dichtung” (1913) dar.

Clara Quandt

geb. 1841 in Rügenwalde, gest. 25. 4. 1919 in Neustadt (Westpr.), wo sie jahrelang als Schulvorsteherin gelebt hatte. Sie bevorzugt in ihren Erzählungen die altpreußische Vergangenheit, so in ihrem 1875 erschienenen Werk “Im alten Preußen”. Das Danziger Patrizierhaus der Ferber z. Z. der Reformation schildert ihre Erzählung “Johann Knades Selbsterkenntnis” (1880), in die Schwedenzeit führt die Erzählung “Gertrud von Loden” (1881). 1890 erschien die Erzählung “Die Polen in Danzig”.

Rudolf Reichenau

geb. 1817 in Marienwerder, gest. 1879, gehörte zu den Bewunderern und Nachahmern Bogumil Goltz', nur ist seine Art zu schreiben liebenswürdiger. Er entnimmt die Motive seiner Erzählungen dem häuslichen Leben, z. B. in “Aus unseren vier Wänden” (1859/64), “Am eigenen Herd” (1873) und “Die Alten” (1876).

Robert Reinick

geb. 22. 2. 1805 in Danzig, gest. 7. 2. 1852 in Dresden, war Maler und Dichter. Nach seinem Studium an den Kunstakademien in Berlin und Düsseldorf und einem längeren Italien-Aufenthalt ließ er sich in Dresden nieder. Als Dichter ist er vor allem durch seine Jugendbücher bekannt geworden, die er selbst mit Illustrationen im Stile Ludwig Richters versah. Er war als erster bemüht, das Niveau der damaligen Jugendliteratur zu heben. 1844 erschienen seine “Lieder und Fabeln für die Jugend”, 1845 das “ABC-Buch für große und kleine Kinder”, 1837-1844 das “Liederbuch eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde”.  Zu seinen Märchen zählen z. B. “Prinz Goldfisch und das Fischermädchen”, “Rübezahls Mittagstisch” oder “Die Wurzelprinzessin”. Auch schrieb er den Text zu Hillers Oper “Konradin, der letzte Hohenstaufe” (1846) und zu Rethels “Totentanz” (1848), war Mitarbeiter und später Herausgeber des “Deutschen Jugendkalenders” und übersetzte Hebels “Alemannische Gedichte”. Nach seinem Tode erschienen seine gesammelten Dichtungen für die Jugend unter dem Titel “Robert Reinicks Märchen-, Lieder- und Geschichtenbuch” (1873), darin das in Danzig spielende Märchen “Das Silberkindchen”. Mehr als 100 seiner Lieder sind vertont worden, unter anderem von Robert Schumann und Brahms.

Anmerkung der Redaktion:

Von den meisten der genannten Autoren sind im deutschen Buchhandel aktuell keine Bücher lieferbar. Eine Ausnahme bildet Robert Reinick.

Rausch, Michaela/Reinick, Robert: Vom schlafenden Apfel. Bilderbuch, Geb., 21 S., 4 Euro, ISBN 3-927 218-11-7.

Außerdem sind die von Reinick übersetzten “Alemannischen Gedichte” von Johann P. Hebel lieferbar, Leinen, 240 S., 95 Abb., 18 Euro, ISBN 3-7846-9157-X.

Regen im Herbst

Von Hans Bernhard Meyer

Hock' ich in meinem Bohlenhaus,
Laß' den Regen rinnen;
Bunter Herbstbrand lodert drauß'
Und das Öfchen drinnen.

Rauscht die Linde wie im Traum
Vor den nassen Scheiben,
Summt der Tee im trauten Raum,
Ist ein gutes Bleiben.

Liebes Häuschen, bist nicht mein;
Einmal muss ich wandern,
Gönne mein Geborgensein
Gern dann einem andern.

Will zu vieler Fernen Saum
Meinen Schritt noch lenken;
Grüßend soll manch Busch und Baum
Mir die Zweige schwenken.

Senk' ich endlich Hut und Stab,
Schließt ein Schrein sich wieder
Still um mich, und auf mein Grab
Rauscht der Regen nieder!

Werderlandschaft

Von Bruno Pompecki

Im Werder rauschen die Weiden,
regenverschleiert und matt,
Wolken wie lastende Leiden
geh'n  über die graue Stadt...
Das Land ertrinkt im Schweigen -
aus den Kämpen, von Schwermut voll,
da klingt's wie von dunklen Geigen
in weichem Moll...
Stromüber weht eine Weise,
die Traum und Sehnsucht vereint,
als ob eine Seele leise
nach innen weint...

Wohin mit der Freud'?

Von Robert Reinick

Ach du klar blauer Himmel,
Und wie schön bist du heut!
Möchte' ans Herz gleich dich drücken
Vor Jubel und Freud'.
Aber 's geht doch nicht an,
Denn du bist mir zu weit,
Und mit all meiner Freud'
Was fang' ich doch an?

Ach du lichte grüne Welt
Und wie strahlst du voll Lust.
Und ich möcht' mich gleich werfen
Dir vor Lieb an die Brust.
Aber 's geht doch nicht an,
Und das ist ja mein Leid,
Und mit all meiner Freud'
Was fang' ich doch an?

Und da sah ich mein Lieb
Am Kastanienbaum stehen,
War so klar wie der Himmel,
Wie die Erde so schön.
Und wir küssten uns beid'
Und wir sangen vor Lust
Und da hab' ist gewußt:
Wohin mit der Freud'!

 

Teil  1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9