Westpreußische Dichter und Schriftsteller
Eine alphabetische Übersicht – Teil 9

In unserer Zeitung DER WESTPREUSSE erschien im Juni 1958, in der Nummer 17/18 zum Westpreußen-Bundestreffen in Bochum, eine zwölfseitige Zusammenstellung westpreußischer Dichter und Schriftsteller von E. Schmid.

Diese Zusammenstellung drucken wir  in Fortsetzungen ab, um an die Dichter und ihre Werke zu erinnern. Viele der genannten Personen sind heute nämlich nahezu vergessen und von vielen sind heute auch keine Bücher mehr im Handel. Wer die Werke lesen möchte, kann aber über Antiquariate danach suchen (im Internet z. B.: www.zvab.de oder www.amazon.de) oder in Bibliotheken danach fragen. Länger nicht ausgeliehene Bücher stehen dort oft doch noch im Magazin. Es gibt aber auch Spezialbibliotheken wie z. B. die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, wo Sie nachfragen können. Ihre Bibliothek vor Ort kann auch Fernleihen für Sie ausführen.

Da seit dem ersten Abdruck dieser Zusammenstellung fast 50 Jahre vergangen sind, war es jedoch notwendig, Änderungen bzw. Ergänzungen einzufügen. Nicht alle Fragen konnten wir klären.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ergänzungen haben, melden Sie sich bitte in der Redaktion.

Johannes Trojan

Prof., Dr. phil. h.c., geb. 14. 8. 1837 in Danzig, gest. 20. 11. 1915 in Rostock, war Journalist, von 1886 - 1909 Redakteur des “Kladderadatsch”, und betätigte sich daneben als Dichter und Schriftsteller. Wiederholt hat er Danzig, das Weichselland und die Ostsee besungen. 1886 erschienen seine “Kleinen Bilder”, ein Jahr später “Von Strand und Heide”, 1894 der Humoreskenband “Das Wustrower Königsschießen”. Seine Festungshaft 1898 auf Weichselmünde, zu der er als Chefredakteur wegen Pressevergehens verurteilt worden war, schildert er in “Zwei Monate Festung” (4. Aufl. 1899). 1913 veröffentlichte er seine “Erinnerungen”. Auch “Hundert Kinderlieder” (1899) und verschiedene Gedichtsammlungen hat er unter anderem herausgegeben. Bismarck verehrte ihn sehr und sah ihn oft als Gast bei sich im Sachsenwalde.

Hans Tschirner

Dr. med., geb. 14. 2. 1900 in Gumbinnen, gest. 24. 10. 1978 in Hamburg, lebte bis 1945 als Arzt in Elbing, später in Hamburg, war Lyriker und schrieb historische Erzählungen. 1955 erschien seine Gedichtsammlung “Gang in den Morgen”. Er war Mitbegründer der Landsmannschaft der Westpreußen in Hamburg und des Heimatkreises Elbing, und viele Jahre einer der beiden Elbinger Heimatkreisvertreter.

Adelheid Weber

geb. 3. 5. 1851 in Marienwerder, gest. 1923 in München, gehört zu den westpreußischen Heimatdichterinnen. Sie besuchte das Lehrerinnenseminar in Graudenz und war später im Schuldienst in Schlesien und Westpreußen tätig. Nach ihrer Heirat lebte sie in Königsberg und Berlin. Viele ihrer literarischen Werke spielen in Westpreußen, so  ihr Schauspiel “Pan Cezar” (1895), das am “Berliner Theater” aufgeführt wurde, ihre Romane und Erzählungen “Vorfrühling” (1904), “Cezar Grawinski” (1895), “Auf der Nehrung” (1899) u. a. Von ihr stammen auch die Romane “An der Grenze” (1924) und “Immer lustig” (1912), der im Königreich Westfalen (1807-13) spielt.

Christian Wernicke

geb. im Januar 1661 in Elbing, gest. 5. 9. 1725 in Kopenhagen, war Satiriker und der größte Epigrammdichter nach Logau. Über sein Leben ist wenig bekannt. 1680 studierte er in Kiel, lebte dann am Hof des Grafen Rantzau, ging später nach England, war anschließend Privatgelehrter in Hamburg, seit 1704 in dänischen Diensten und seit 1708 dänischer Gesandter in Paris. In seinen Satiren und Epigrammen verspottet er das gezierte, künstliche Wesen seiner Zeit in Umgang und Sprache. Zu seinen Lebzeiten erschienen von ihm: “Überschriffte oder Epigrammata” (1697), “Heldengedicht Hans Sachs genannt” (1701) und “Poetischer Versuch” (1704). Seine Jugendgedichte wurden erst im Jahre 1880 veröffentlicht.

Erich Wernicke

Ober-Stud.-Dir. a. D., geb.  14. 10. 1877 in Altenplathow bei Genthin, gest. 10. 9. 1953 in Walsrode, lebte jahrelang in Westpreußen, das ihm zur zweiten Heimat wurde. Seit 1905 lebte er als Lehrer in Marienwerder, 1937 wurde er als Oberstudiendirektor der Hermann-Balk-Schule vorzeitig pensioniert. Seine Novellen und Erzählungen “Kletz” (1921), “Bauernschicksale an der Weichsel” (1923), “Treue” (1927) und “Die Weichsel rief” (1940) spielen sämtlich in Westpreußen.

Helene Westphal

geb. 21. 11. 1894 in Jastrow (Westpreußen), gest. ?, lebte lange Jahre als Lehrerin und Schriftstellerin in Zoppot, nach dem Krieg in Weimar und Berlin, später ist sie wahrscheinlich nach Chile ausgewandert. Sie war vor allem Lyrikerin, doch hat sie auch Erzählungen, Kurzgeschichten und Jugendbücher geschrieben, darunter das 1949 erschienene Danziger Erinnerungs- und Jugendbuch “Kleine Dagmar”.

Anmerkung der Redaktion:

Von den meisten der genannten Autoren sind im deutschen Buchhandel aktuell keine Bücher lieferbar. Eine Ausnahme bildet:

Erich Wernicke: Die Geschichte der 72 Großbürgerhäuser in Marienwerder. (Sonderschrift des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e. V.) 1976. 482 S., 18 Abb., 19,50 Euro. ISBN 3-922953-33-6.
 

Duchen

Von Johannes Trojan
In der Großstadt durch die Menge
ging ich hin in dem Gedränge
jüngst auf einem eil’gen Gang,
als es in das Ohr mir klang:
“Hör mal, Duchen!”

Wer so sprach, gleich nahm ich’s wahr,
just vorüber ging ein Paar,
Mann und Frau, an mir, zum Mann
sprach die Frau, die so begann:
“Hör mal, Duchen!”

“Duchen” – gleich füg’ ich’s hinzu –
ist Verkleinerung von “Du”.
Also drückt man gern sich aus,
wo mir stand mein Vaterhaus,
oben an dem Ostseestrande,
dort in meinem Heimatlande,
wo der Menschen Sprache so
traulich klingt wie nirgendwo
sonst auf Gottes weiter Welt,
und mir drum so sehr gefällt.
Dorther müssen sein die Zwei,
dacht’ ich, die da geh’n vorbei.

Augenblicklich vor mir stand
mein geliebtes Heimatland,
Korngefilde, Meer und Wald
und die Stadt, ehrwürdig alt,
alles hell im Sonnenlicht
und manch liebes Angesicht.
Alles dies nahm ich wahr,
und als lange schon das Paar
im Gedränge sich verloren,
klang es noch mir in den Ohren:
“Hör mal, Duchen!”

Sterne

Von Hans Tschirner

Wir kennen nicht den Sinn in unserm Leben,
Wir wissen nicht um seinen tiefsten Kern.
Nur langsam, wohl als Frucht von ernstem Streben,
Enthüllt sich unserm Blick ein kleiner Stern.

Und mehr denn, immer mehr zu lichtem Kranze
So strahlen sie zuletzt vom Firmament
Und führen den im wilden Lebenstanze,
Der seiner Sterne Sinn und Ruf erkennt.

Adlerhorst

Von Helene Westphal

Du warst mir ein Traum von Sonne und Gold,
Von Sonne und blühender Heide,
Von altem rauschendem Eichengold
und weißer Birkenseide.

Warst mir ein Traum von Kiefernduft
von gelbem rieselndem Sande,
von hoher, wehender Königsluft
über dem einsamsten Strande.

Warst mir ein Traum von Meer und Licht,
von großen, schimmernden Weiten –
warst mir ein leuchtendes Gottgedicht
über die Ewigkeiten.

Sprüche

Von Christian Wernicke

Wie mancher dünket sich im Glück ein Held zu sein,
der in der Not verzagt! Das Unglück ist’s allein,
das in das Innerste des falschen Herzen dringet
und den verführten Tropf zur Selbsterkenntnis bringet.
Ein Glas zeigt, wenn es ist durchsichtig, nur das Licht;
doch wenn’s verfinstert ist, so zeigt’s dir dein Gesicht.

Magst du, was meine Fehler sind,
von meinem Feinde gerne hören,
so lass auch meinen Freund dich lehren,
was man bei mir für Tugend findt’!
Spricht man dort übel ohne Maße,
und legt an hier zu viel mir zu,
so wähle du die Mittelstraße
und denk’, ich bin ein Mensch, wie du.

 

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