Verständigung, Versöhnung,
friedliches Miteinander


Die Bundesversammlung der Landsmannschaft Westpreußen verabschiedete bei ihrer Sitzung anlässlich des 25. Bundestreffens folgende

Entschließung

Die Landsmannschaft Westpreußen tritt für eine Verständigung mit dem Ziel einer Versöhnung zwischen dem deutschen und dem polnischen Volk ein. Sie begrüßt die Absicht beider Regierungen, ihre Beziehungen im Geiste guter Nachbarschaft und Freundschaft zu gestalten. Seit Unterzeichnung des Vertrages über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vor fünf Jahren sind im Verhältnis zueinander beachtliche Fortschritte erzielt worden.

Beide Völker müssen sich mit ihrer Kultur und Geschichte in all ihrem Höhen und Tiefen aber noch besser kennen lernen, um bestehende psychologische Barrieren zu überwinden. Das sollte auf der Basis von Offenheit, Klarheit und Vertrauen geschehen. Die Vertriebenen beider Seiten können hierbei die im Nachbarschaftsvertrag genannte natürliche Brücke bilden.

Die Landsmannschaft Westpreußen bedauert, dass die Bundesregierung keinen Fortschritt in der Lösung der offengebliebenen Probleme des Nachbarschaftsvertrages erzielt hat, wie Staatsangehörigkeit und Vermögensfragen. Es fehlen außerdem immer noch befriedigende Regelungen zur Verwirklichung des Rechts auf die angestammte Heimat.

Für die in der Heimat verbliebenen Deutschen ist der Vertrag eine wichtige Grundlage, ihre ethnische, kulturelle und sprachliche Identität frei zum Ausdruck bringen zu können, zu bewahren und weiterzuentwickeln. Der Vertrag ist ausbaufähig und muss weiter mit Leben erfüllt werden, um voll wirksam zu werden.

Die Landsmannschaft Westpreußen hält für erforderlich:

  • Bekenntnis des von beiden Seiten begangenen Unrechts als eine grundlegende Voraussetzung für besseres Verstehen und Miteinander, soweit solches noch nicht eindeutig geschehen ist.
     
  • Wiedergutmachung dieses Unrechts aus moralischen und rechtlichen Gründen. Sie muss politisch, psychologisch, finanziell und wirtschaftlich für beiden Seiten vertretbar sein.
     
  • Gewährung des Rechts auf die Heimat mit seinen zwei Elementen: Rückkehr zur Heimat und zum Eigentum als wesentlicher Beitrag zur Verständigung. Dies darf zu keiner neuen Vertreibung führen.
     
  • Zulassung baldiger Niederlassung Vertriebener in ihrer Heimat mit Erleichterungen beim Erwerb von Grundbesitz und bei Betriebsgründungen als ansatzweise Wiedergutmachung, zugleich auch als Auslöser vielfacher, die allgemeine wirtschaftliche Stabilisierung fördernder Investitionen. Loyalität gegenüber dem polnischen Staat bleibt Voraussetzung.
     
  • Konsequente Verwirklichung der Rechte und Pflichten des internationalen Standards für Minderheiten und Volksgruppen, insbesondere auf dem Gebiet der muttersprachlichen Ausbildung für die Deutschen in der Republik Polen.
     
  • Beteiligung und Unterstützung deutscherseits von Vertriebenen bei der Lösung deutsch-polnischer Probleme in Wahrnehmung ihrer “Brückenfunktion”.
     
  • Unser aller Ziel ist eine gemeinsame Europäische Union, basierend auf gleicher Wertordnung. Dies verlangt für den Fall des Beitritts Polens eine Bereinigung von Unrechtstatbeständen und eine Antwort auf  bislang offengebliebene Fragen.
  • Die Landsmannschaft Westpreußen erwartet aber, dass die Bundesregierung baldmöglichst, spätestens jedoch bis zum Zeitpunkt des Beitritts der Republik Polen zur Europäischen Union in bilateralen Verhandlungen eine angemessene Lösung der strittigen Probleme herbeiführt.

    Die Landsmannschaft Westpreußen wird ihr Möglichstes tun, den Prozess der Verständigung zu fördern, einen Beitrag zum Kennenlernen der beiderseitigen Kultur und Geschichte leisten, die deutsche Minderheit in ihrem Bemühen unterstützen, innerhalb des polnischen Staates ihre Identität zu wahren, und sich für ein friedliches Miteinander der Völker Europas einzusetzen.

    Münster, 1. Juni 1996

    Odo Ratza
    Bundessprecher

    Hans-Jürgen Schuch
    Stellv. Bundessprecher

    Hugo Rasmus
    Stellv. Bundessprecher