Zum Tag der
Wiedervereinigung 1990


Der 3. Oktober ist für alle Deutschen, auch für uns Westpreußen, ein Tag der Freude. Ein gemeinsamer deutscher Staat ist gebildet. Die volle Souveränität ist erreicht. Die größere Bundesrepublik Deutschland wird mit noch stärkerem Nachdruck die Interessen für uns alle jetzt und in einem vereinigten Europa vertreten.

Wir freuen uns, dass unsere Landsleute in Mitteldeutschland ihre demokratischen Grundrechte wahrnehmen, sich zu ihrer Heimat Westpreußen offen bekennen und wir mit ihnen ständige und verstärkte Verbindung halten können.

Der 3. Oktober 1990 ist für uns zugleich aber ein Tag der Trauer. Unsere Heimat Westpreußen wird künftig zusammen mit den anderen ostdeutschen Gebieten voll an die Republik Polen abgetreten werden. Wir halten solch eine Preisgabe für ungerecht. Ein Ausgleich beiderseitiger Interessen wäre besonders auch im Hinblick auf ein zusammenwachsendes Europa geboten.

Wir bekräftigen daher unsere Entschließung vom 8. Juni 1990 und fordern vor endgültigen Grenzfestlegungen für die Gebiete jenseits Oder-Neiße eine friedliche, vertragliche Regelung mit Polen im Geiste der Verständigung und unter Wahrung unserer und der international gültigen Rechte, insbesondere auch des Rechts auf die angestammte Heimat. Diese Regelung soll dem Wohle der betroffenen Menschen dieser Gebiete dienen und das eigenständige Leben ihrer Volksgruppen, auch das der in der Heimat verbliebenen Westpreußen, sicherstellen.

Die Landsmannschaft Westpreußen will mit dieser Erklärung unter Wahrung der berechtigten deutschen Interessen zur Festigung des Friedens und zur Gestaltung eines zukünftigen, freien, demokratischen, sozial gerechten und vereinten Europa beitragen.

Münster, 30. September 1990

Die Landsmannschaft Westpreußen

Odo Ratza
Bundessprecher

Hans-Jürgen Schuch
Stellv. Bundessprecher

Hugo Rasmus
Stellv. Bundessprecher